Jagdkynologischer Arbeitskreis Bayern e.V.

Landesvertretung des JGHV

 

Hundekurs dahoam

Aufgrund der Corona-Beschränkungen müssen immer wieder die Hundekurse ausgesetzt werden. Da geht wertvolle Zeit für die Ausbildung vor allem für die Junghunde verloren. Mit etwas Extra-Training können Sie diese Lücken schnell schließen und die Ausfallzeiten ausgleichen. Wir  zeigen Ihnen Übungen, die Sie sehr gut zwischendurch machen können, ganz einfach auch beim „Gassigehen“:

Sitz mit Umkreisen

Der Hund macht „Sitz“. Dazu geben Sie ein leises Kommando und ein „Sitz-Zeichen“ mit dem Zeigefinger der rechten Hand. Sie haben die lange Feldleine angelegt. Diese legen Sie jetzt nach hinten aus. Dann umkreisen Sie den Hund in etwa fünf Metern Abstand einmal von rechts nach links, dann in umgekehrter Richtung. Jedes Mal, wenn Sie am Ende der Leine vorbeikommen, bleiben Sie fünf Sekunden lang stehen, heben die Leine ein wenig auf und lassen sie wieder fallen, bleiben nochmal fünf Sekunden stehen und gehen dann weiter im Kreis. Der Hund muss dabei ohne zusätzliches Kommando immer sitzen bleiben. Er darf seinen Kopf bewegen und Ihnen nachschauen, aber er darf sich nicht mitdrehen und nicht aufstehen. Sie dürfen den Zeigefinger aber immer als Sichtzeichen erhoben halten. Wenn Sie zwei Runden gedreht haben, bleiben Sie stehen und rufen Ihren Hund mit dem Doppelpfiff oder mit Klopfen mit der flachen Hand auf den Oberschenkel zu sich. Wenn es geklappt hat, kräftig loben. Machen Sie die Übung zwei- bis dreimal hintereinander, bis sie sitzt. Nicht zu oft hintereinander, sonst verliert der junge Hund die Konzentration und die Lust, und Sie erreichen gar nichts mehr.

Down mit Arm hoch und Triller mit Übersteigen

Auch diese Übung lässt sich wunderbar beim Gassigehen trainieren. Beginnen Sie das Down auf weichem, am besten mit Gras bewachsenem Boden. Der Hund macht „Sitz“, Sie stellen sich etwa zwei Meter vor den Hund, heben den Arm hoch zum „Down“ oder „Halt“ und Trillern. Der Hund sollte blitzschnell zusammenklappen.

down

 

Diese Übung ist zunächst etwas schwierig, weil das „Down“ für den Hund die totale Unterwerfung bedeutet, und er dem Befehl sehr ungern nachkommt. Deshalb sollte man das „Down“ langsam angehen. Am besten funktioniert das in vier Schritten:

1. Der Hund befindet sich in der Liegeposition. Sie sagen „Down“ und drücken gleichzeitig sanft den Kopf auf beide Vorderläufe. Das üben Sie solange, bis der Hund den Kopf auf „Down“ selbst ablegt und unten liegen lässt – so lernt der Hund erst einmal die Downlage kennen.

2. Wenn der Hund den Kopf unten hat, machen Sie kleine Bewegungen über dem Hund, erst mit der Hand, dann übersteigen Sie ihn, dann klatschen Sie in die Hände über dem Kopf – sein Kopf muss immer unten bleiben. Hebt der Hund den Kopf, müssen Sie sofort korrigieren und den Kopf wieder sanft, aber konsequent nach unten drücken. Wenn diese beiden Stufen klappen, dann üben Sie die beiden Trainingseinheiten mit einem leichten, verhaltenen Trillerpfiff.

3. Sitzt das alles, dann beginnen Sie das Down aus dem „Sitz“. Üben Sie zunächst an der Leine. Der Hund sitzt neben Ihnen. Dann geben sie den Befehl „Down“ und/oder unmittelbar danach den Trillerpfiff, gleichzeitig unterstützen Sie den Hund beim Ablegen, indem Sie ihn an der Leine kurz niederziehen. Im Notfall hilft es auch, wenn Sie seine Vorderläufe greifen und so herunterziehen. Jeden Versuch, sich wieder aufzurichten, unterbinden Sie sofort. Der Hund muss merken, dass das „Down“ unausweichlich kommt.

4. Wenn das „Down“ klappt und der Hund liegen bleibt, dann übersteigen Sie ihn von rechts nach links und links nach rechts. Dann von hinten nach vorne und dabei über dem Kopf des Hundes in die Hände klatschen. Nach etwa fünf Sekunden: Doppelpfiff – der Hund kommt und macht vor Ihnen „Sitz“

Wenn diese Übungen funktionieren, dann sollten Sie die Entfernung vergrößern. Sie setzen den Hund ab, gehen circa 50 Meter zurück, der Hund bleibt sitzen. Sie trillern „Down“ mit Ausfallschritt und erhobenem Arm – der Hund muss sofort in die korrekte Downlage gehen. Wenn er zögert, dann arbeiten Sie mit der langen Feldleine. Ein kurzer Ruck an der Schnur erinnert ihn wieder ans Zusammenklappen. Nach circa zehn Sekunden lösen Sie die Übung mit Hereinholen (Doppelpfiff) und „Sitz“ auf. Jetzt loben. Wenn auch das gut funktioniert, dann gehen Sie zum nächsten Schritt: Sie schicken den Hund frei zur Suche. Wenn der Hund in vollem Lauf ist, trillern Sie „Down“ und heben den Arm. Sobald das funktioniert, wiederholen Sie die Übung mehrmals. Die Zeit der Downlage wird von Übung zu Übung verlängert. Üben Sie das „Down“ in allen Situationen, an jedem Ort, zu jeder Zeit, mit und ohne Leine, mit Laut- und Sichtzeichen und schließlich lautlos nur mit Sichtzeichen. Es ist die Lebensversicherung für Ihren Hund.

 

Üben können Sie auch das Apportieren. Das lässt sich gut im Garten zuhause oder im Revier durchführen. Umwickeln Sie den hölzernen Apportierbock mit Fell vom Hasen, dann wird er vom Hund lieber aufgenommen. Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Hund erst mit dem schweren Apportierbock arbeitet, wenn der Zahnwechsel abgeschlossen ist, also im Alter von sechs bis sieben Monaten. Erste Übungen zum Bringen können Sie schon im Haus durchführen. Sie lassen den Hund alles durch das Haus tragen. Ihre Arbeitshandschuhe, eine zusammengerollte Zeitung, die Leine – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es sollte aber kein Spielzeug sein. Spielen und arbeiten sollten Sie immer streng trennen.

Aufnahme aus dem Stand

Der Hund macht „Sitz“, Sie legen den Apportierbock kurz vor dem Hund ab. Auf einmaligen Befehl muss der Hund den Apportierbock aufnehmen und selbstständig (oder nach einer leisen Aufforderung) „Sitz“ machen. Dann betasten Sie den Bock rechts und links zwei- bis dreimal und prüfen den Griff. Erst auf Kommando „Aus“ soll der Hund ausgeben.

Apportieren aus 50 Meter Entfernung

Der Hund wird mit „Sitz“ und „Bleib“ angesetzt. Sie gehen etwa 50 Meter weit weg, zeigen dem Hund den Apportierbock und legen ihn, für den Hund sichtbar, ab. Dann gehen Sie ohne Hast zum Hund zurück und schicken ihn mit dem „Bring Apport“ zum Bringstück. Der Hund muss unverzüglich hinlaufen, den Apportierbock aufnehmen, zu Ihnen zurückkommen und „Sitz“ machen. Vor dem Ausgeben den Griff prüfen.

Apportieren über Hindernis

Wenn Sie die Möglichkeit haben, bauen Sie sich im Revier zum Beispiel aus Rundhölzern oder schmalen Brettern ein Hindernis. Das Hindernis sollte zwei mal zwei Meter Grundfläche haben und ca. 75 Zentimeter hoch sein, für kleinere Hunde kann der Einsprung bis zu 40 Zentimeter sein. Der Hund wird einige Schritte vor dem Hindernis abgesetzt, „Sitz und bleib“. Dann legen Sie den Apportierbock in das Hindernis, vor dem Ablegen zeigen Sie dem Hund das Bringstück. Dann gehen Sie zurück zum Hund. Auf ein einmaliges Kommando „Bring Apport“ springt der Hund über das Hindernis. Gleichzeitig geht der Führer circa fünf Meter zurück. Der Hund nimmt im Hindernis den Bock auf und bringt ihn dem Führer. Selbstverständlich auch hier „Sitz“ und Prüfung des Griffs vor dem Ausgeben.

Für alle Hunde, die nicht apportieren, wie Bracken und Schweißhunde, gibt es spezielle Übungen – die aber auch allen anderen Hunden nicht schaden, im Gegenteil. Diese Übungen machen Sie am besten im Revier:

100 Meter Pirschen frei bei Fuß

Sie pirschen etwa 100 Meter zu einer Ansitzeinrichtung oder auf ein anderes Ziel zu, in unterschiedlicher Schrittgeschwindigkeit. Am besten im Stangenholz oder im Hochwald mit Verjüngungsflächen. Dabei sollten Sie dreimal die Richtung wechseln und dreimal stehen bleiben. Ihr Hund folgt Ihnen frei bei Fuß. Sie geben keine lauten Kommandos, sondern nur leise oder Handzeichen. Wenn Sie stehen bleiben, sollte der Hund „Sitz“ machen. Am Ziel Hund anleinen und zurückgehen.

fuehren frei bei fuss

 

100 Meter Folgen auf der Führerfährte

Für diese Übung brauchen Sie eine zweite Person. Diese Person hält den Hund am Halsband fest. Sie entfernen sich in einem unübersichtlichen Gelände etwa 100 Meter und verstecken sich hinter einem Baum oder Busch, so dass Sie für den Hund nicht zu eräugen sind. Auf dem Weg zum Versteck legen Sie zwei rechtwinkelige Haken ein. Nach circa fünf Minuten lässt der Helfer den Hund frei. Der Hund soll ohne Kommando und ohne Beeinflussung sofort auf der Führerfährte seinem Führer folgen und ihn selbstständig finden.

Fünf Minuten Ablegen am Rucksack

Auch für diese Übung brauchen Sie eine zweite Person. Sie legen den Hund beim Rucksack mit einem Kommando frei ab und entfernen sich mindestens 30 Meter außer Sicht und außer Wind. Ihre Hilfsperson geht im Abstand von etwa fünf Metern am Hund vorbei und zehn Meter nach ihm auf der anderen Seite wieder zurück. Der Hund bleibt liegen, bis ihn der Führer wieder abholt. Er darf auch sitzen. Üben lässt sich das übrigens auch gut beim Spazierengehen in einem Gelände, in dem Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind. Sie legen den Hund am Wegrand ab und entfernen sich. Der Hund muss liegen bleiben, auch wenn ein Radler vorbeifährt oder Spaziergänger vorbeigehen.

ablegen am rucksack

Pirschen und Ablegen mit Schuss

Diese Übung geht natürlich nur im Revier. Sie pirschen mit Flinte und angeleintem Hund, korrekt bei Fuß. Auf halbem Weg bleiben Sie stehen, der Hund setzt sich ohne hörbaren Befehl. Sie beide pirschen weiter bis zu einem Ziel. Dort wird der Hund abgeleint und abgelegt. Ohne sich umzusehen, pirschen Sie 40 bis 50 Meter weiter in eine Deckung, so dass Sie der Hund nicht mehr eräugen kann. Nach etwa zehn Sekunden geben Sie einen Schrotschuss ab, nach weiteren zehn Sekunden einen zweiten Schrotschuss, dann kehren Sie zum Hund zurück. Dabei ist kein Kommando erlaubt, Handzeichen schon. Der Hund bleibt lieben oder sitzen. Er darf sich nicht von seinem Platz entfernen. Sollte der Hund beim Schuss nicht liegen bleiben und zu Ihnen kommen, hilft ein kleiner Trick. Sie legen dem Hund die Ausbildungshalsung an, legen ihn ab und entfernen sich nur aus dem Sichtfeld des Hundes – also beispielsweise um die Ecke – dann geben Sie einen Schrotschuss ab. Steht der Hund auf und kommt, nehmen sie ihn unmittelbar an der Ausbildungshalsung mit einem kleinen Ruck, führen ihn zurück an seinen Platz und geben ein scharfes Kommando „Platz“ und „Bleib“. Dann entfernen Sie sich wieder und geben nochmal zwei Schrotschüsse ab. Der Hund bleibt liegen.

Leinenführigkeit

Eine Übung, die Sie auch überall immer wieder trainieren können, ist die Leinenführigkeit. Zunächst üben Sie die Leinenführigkeit im freien Feld oder auf einem Weg. Die Führerleine hängt lose durch, sie wird nicht in der Hand gehalten. Dann gehen Sie mit dem Hund einen großen Kreis, der Hund geht korrekt bei Fuß, zerrt nicht an der Leine. Urplötzlich wenden Sie und gehen in die Gegenrichtung. Der Hund muss Ihnen folgen. Diesen Richtungswechsel öfter üben. Im Hochwald und Stangenholz wird es noch ein wenig anspruchsvoller: Sie leinen den Hund an der Führerleine an und pirschen mit ihm durchs Stangenholz rechts und links um die Bäume herum, und dazwischen bleiben Sie immer mal stehen. Der Hund darf beim Pirschen nicht an der Leine zerren und muss beim Umgehen von Bäumen immer seinem Führer folgen. Wenn Sie stehen bleiben, setzt sich der Hund selbstständig ab, leise Kommandos sind erlaubt.

leinenfuehrigkeit

 

Viel Spaß beim Üben!