Jagdkynologischer Arbeitskreis Bayern e.V.

Landesvertretung des JGHV

 

Brauchbare Jagdhunde auch in Zukunft?

Der Jagdkynologische Arbeitskreis Bayern diskutiert die Tierschutz-Hundeverordnung auf seiner Jahrestagung in Neuhof an der Zenn. / Prominente Gäste nahmen Stellung zur Zukunft des Hundewesens in Bayern.  / Das Präsidium des JKA Bayern wurde im Amt bestätigt.

Mitte August hat der Jagdkynologische Arbeitskreis Bayern (JKA), die bayerische Landesvertretung des JHGV, zu seiner Jahrestagung 2021 nach Neuhof an der Zenn geladen. Der JKA Bayern vertritt fast 9.000 Jagdhundeführer/innen in ganz Bayern. Präsident Frank Wagner konnte mit Karl Walch, Präsident des JGHV, Ernst Weidenbusch, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Alexander Flierl, MdL, Mitglied im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags und jagdpolitscher Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag und Prof. Dr. Hartmut Wunderatsch, Vorsitzender des BJV-Jagdhundeausschusses, prominente Gäste und wichtige Entscheidungsträger für die Belange des Hundewesens begrüßen.

Neue Tierschutz-Hundeverordnung erhitzt die Gemüter

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die neue Tierschutz-Hundeverordnung. Sie wurde Ende Juni im Bundesrat auf den Weg gebracht und sorgt im Jagdgebrauchshundewesen für große Diskussionen. Viele befürchten, dass die Ausbildung von brauchbaren Jagdhunden künftig nicht mehr möglich ist. Denn nach der neuen Tierschutz-Hundeverordnung  „….ist verboten, bei der Ausbildung, bei der Erziehung oder beim Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für die Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden.“  Dazu zählt zum Beispiel schon ein kräftiger Ruck mit der Leine. Begründet wird das Verbot mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die jede Art von Strafreiz bei der Erziehung und Ausbildung von Hunden als nicht tierschutzkonform einstuft. Genannt werden die Quellen dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse allerdings nicht.

Jagdhunde müssen auch künftig Tierschutz und Sicherheit gewährleisten!

Ausschließlich mit positiven Reizen aber ist die Ausbildung von Gebrauchshunden kaum machbar und unverantwortlich, erklärte JKA-Präsident Frank Wagner: „Hunde für den Jagdgebrauch dienen dem Tierschutz auf der Jagd. Unsere Jagdhunde müssen diesen Tierschutz, aber auch Sicherheit für Mensch und Tier gewährleisten. Unverzichtbare Grundlage dafür ist der Gehorsam. Nur der gehorsame Hund ist im  Jagdeinsatz zu verantworten.“ 

Hunde im Jagdbetrieb müssen selbstständig arbeiten und sozusagen selbstständige Entscheidungen treffen. Gleichzeitig aber müssen sie  eng mit dem Menschen zusammenarbeiten und sich von ihm ohne Widerspruch leiten lassen.  Zwei Aufgaben, die sich eigentlich widersprechen. Erst durch die intensive Ausbildung ist beides möglich. Frank Wagner: „Positive Reize sind ein wichtiger Teil einer guten Ausbildung. Fehlverhalten aber muss im Einzelfall korrigiert werden können, um Tierschutz und Sicherheit von Mensch und Tier nicht zu gefährden.“

Der tierschutzgerechte Einsatz von Jagdhunden darf nicht verloren gehen!

Deshalb fordert der JKA Bayern von der Bayerischen Staatsregierung, dass sie beim Vollzug dieser Verordnung Augenmaß bewahrt, die Expertise der Fachgremien aus dem Gebrauchshundewesen berücksichtigt und Möglichkeiten schafft, dass auch künftig Jagdhunde praxisgerecht und tierschutzkonform ausgebildet werden können.

Bayerns Jagdhundeausbilder werden laufend geschult

Seit 2013 bietet der JKA Bayern zusammen mit dem Bayerischen Jagdverband für die Jagdhunde-Ausbilder in den Jägervereinen und Kreisgruppen Fortbildungsangebote mit namhaften Kynologen, Wissenschaftlern und Tierärzten gemäß den Vorgaben nach §11 Tierschutzgesetz an.

Präsidium wieder gewählt

Auf der Jahrestagung 2021 wurde das Präsidium des JKA Bayern mit Präsident Frank Wagner, Vizepräsident Sigurd Croneiß und Geschäftsführerin Dr. Gertrud Helm ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt.

Nein zum Antibiotika-Verbot für Haustiere!

Keine Antibiotika für Tiere, die auch beim Menschen Einsatz finden: In einem offenen Brief kritisieren vier Spitzenverbände diesen Antrag des Sprechers der Grünen-Fraktion im EU-Parlament. Sie sehen darin einen Verstoß gegen das Staatsziel Tierschutz. Jagdhunde und Beizvögel benötigen bei Verletzungen effektive Hilfe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutscher Jagdverband (DJV),  Deutscher Falkenorden (DFO), Orden Deutscher Falkoniere (ODF) und Jagdgebrauchshundverband (JGHV) haben in einem offenen Brief den Antrag von Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion die GRÜNEN/EFA im EU-Parlament, scharf kritisiert: Dieser sieht vor, den Einsatz von Antibiotika, die für eine menschliche Behandlung vorgesehen sind, generell  für Tiere zu verbieten. Die Verbände sehen darin die bewusste Gefährdung von Tierleben und einen Verstoß gegen das Staatsziel Tierschutz. Die Verbände unterstützen hingegen den Ansatz der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA),  wonach Tiermedizin, Humanmedizin und Umweltwissenschaften gemeinsam an einer Reduktion von Antibiotikaresistenzen arbeiten. DJV, DFO, ODF und JGHV fordern die Mitglieder des Europäischen Parlaments auf, Mitte September den Antrag von Martin Häusling abzulehnen.

Auch die Bundestierärztekammer warnt vor einem generellen Verbot des Einsatzes von Antibiotika aus der Humanmedizin für Tiere. Davon betroffene Antibiotika sind oftmals die einzige Therapiemöglichkeit für Heim- und Haustiere, die an lebensbedrohlichen und schmerzhaften bakteriellen Infektionen leiden. Die unterzeichnenden Verbände stellen klar, dass gut ausgebildete Jagdhunde essentiell für eine tierschutzgerechte und effektive Jagd sind. Stöberhunde sind beispielsweise wichtig für die Jagd auf Reh- und Rotwild zur Wildschadensverhütung. Kadaverspürhunde spielen derzeit eine große Rolle bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest. Bei ihrer Arbeit können sich Jagdhunde verletzen, eine effektive Behandlung bakterieller Infektionen mit Antibiotika muss deshalb auch künftig möglich sein.  Greifvögel sind bei vielen Erkrankungen und Verletzungen ebenfalls auf Antibiotika angewiesen. Falknerinnen und Falkner jagen mit ihnen unter anderem auf Friedhöfen, Sportplätzen oder Grünanlagen zur Reduktion von Wildkaninchen - dort ist die Jagd mit dem Gewehr nicht ohne weiteres möglich. Zudem nehmen sie verletzt aufgefundene Greifvögel, Falken und Eulen auf, pflegen diese und bereiten sie auf die Rückkehr in die Freiheit vor.

Resolution des JGHV zum Rutenkopieren von Jagdgebrauchshunden

Resolution der Hauptversammlung des JGHV zum Rutenkupieren von Jagdgebrauchshunden vom 22.08.2021 in Verden/Aller

Die derzeitige rechtliche Regelung verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltieres (Tierschutzgesetz § 6 Abs. 1) und hat als Ausnahme bei Jagdhunden festgelegt, dass das Verbot nicht gilt, wenn der Eingriff im Einzelfall bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen.

Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) hält die Beibehaltung dieser Regelung aus Tierschutzgründen für dringend notwendig, um der Verletzungsgefahr für bestimmte Jagdhunderassen im Einsatz vorzubeugen.

Als Entscheidungshilfe für die Einzelfalllösung schlägt der JGHV folgende Punkte vor.

  1. Die Entscheidung im Einzelfall wird vom Tierarzt getroffen, der auch den Eingriff durchführt. Er hat vor dem Eingriff für jedes einzelne Tier die Voraussetzungen zu prüfen und die tierärztliche Unbedenklichkeit zu dokumentieren.
  2. Der Eingriff durch den Tierarzt erfolgt unter entsprechender Schmerz-behandlung in den ersten vier Lebenstagen der Welpen.
  3. Das Kürzen der Rute erfolgt bis maximal zur Hälfte, um die mit der Funktion der Rute verbundenen Leistungen, z. B. Kommunikationsmittel bei Caniden, zu erhalten
  4. Der Züchter muss dem Tierarzt eine Bescheinigung seines Zuchtverbandes vorlegen, aus der hervorgeht, dass es sich ausschließlich um Welpen aus jagdlicher Leistungszucht handelt.
  5. Der Einzelfall betrifft ausschließlich Hunde, die für die jagdliche Verwendung vorgesehen sind. Kupierte Hunde werden ausnahmslos an Jäger abgegeben. Der Käufer hat dem Züchter durch Vorlage des Jagdscheins nachzuweisen, dass er aktiver Jäger ist.
  6. Das Kürzen der Rute von Hunden bestimmter Rassen zur jagdlichen Verwendung ist unerlässlich. Die Maßnahme dient dem Tierschutz, um zu erwartende Verletzungen bei jagdlich geführten Hunden zu vermeiden.
  7. Das Kupieren ist kein Rassestandard. Dennoch ist das Kürzen der Rute von Hunden zur jagdlichen Verwendung im Einzelfall bei bestimmten Jagdhunderassen unerlässlich, um zu erwartende schwer behandelbare Verletzungen zu vermeiden. Zu diesen Jagdhunderassen gehören u. a. Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Deutsch Stichelhaar, Weimaraner (Kurzhaar), Pudelpointer, Griffon, Magyar Viszla, Deutscher Jagdterrier, Glatthaar Foxterrier, Drahthaar Foxterrier, Parson Russell Terrier, Deutscher Wachtelhund, Bretonischer Vorstehhund und Spaniel.

Aktuelles Hygienekonzept für Prüfung und Ausbildung

Jugendprüfungen nur mit Hygienekonzept

Die Frühjahrsprüfungen sind grundsätzlich nach Maßgabe des § 17 der 12. BayIfSMV weiterhin möglich.


Die Jagdhundeausbildung ist derzeit nach der 12. BayIfSMV in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tage-Inzidenz von bis zu 100 zulässig (§ 20 Abs. 2 der 12. BayIfSMV). Im aktualisierten BJV-Hygienekonzept finden Sie alle wichtigen Hinweise dazu.

Richterbesprechung

Unter den Corona-Bedingungen werden die Frühjahrsprüfungen sicher etwas anders ablaufen als gewohnt. Die Richterbesprechungen werden in den meisten Fällen nicht gemeinsam für die gesamte Prüfung durch geführt werden, sondern in jeder Gruppe  einzeln im Revier stattfinden. Deshalb hat Josef Westermann, der Obmann fürs Prüfungswesen beim JGHV eine Richterbesprechung für diese Bedingungen zusammengestellt. 

Richterbesprechung für Frühjahrsprüfungen 2021